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@juergen-schadek
Created April 20, 2026 18:32
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Hör auf, Wissen in Chats zu verlieren. Baue ein PKM, das dein LLM für dich schreibt, verknüpft und pflegt.

LLM-PKM

Zweck dieses Dokuments

Dieses Dokument beschreibt eine Idee.

Es ist kein Bauplan, kein fertiges System und keine Anleitung, die man einfach Schritt für Schritt umsetzt. Es ist ein Denkmodell. Ein Ausgangspunkt. Mehr nicht.

Die Absicht ist, dass du dieses Dokument deinem LLM gibst und gemeinsam mit ihm ein System entwickelst, das zu dir passt. Es soll dir helfen zu verstehen, wie man über ein solches System nachdenken kann – nicht, wie genau es aussehen muss.

Es wird am Anfang unvollständig sein. Und das ist Absicht.


Die Ausgangssituation

Wenn man heute mit LLMs arbeitet, passiert meistens etwas sehr Ähnliches.

Man startet einen Chat, arbeitet sich langsam in ein Thema hinein, liefert Kontext, stellt Fragen, bekommt Antworten. Mit der Zeit wird der Chat immer besser, weil sich ein gemeinsamer Kontext aufbaut. Und dann kippt es irgendwann.

Der Chat wird zu lang. Die Antworten werden ungenauer. Das Modell verliert den Überblick.

Also startet man einen neuen Chat – und fängt wieder bei null an.

Das Wissen, das man sich im alten Chat erarbeitet hat, bleibt dort zurück. Es ist zwar noch irgendwo vorhanden, aber praktisch nicht mehr nutzbar. Es ist nicht strukturiert, nicht verknüpft, nicht anschlussfähig.

Dann beginnt man vielleicht, mehrere Chats parallel zu führen. Einen für Strategie, einen für Umsetzung, einen für Ideen. Und plötzlich hat man viele kleine, isolierte Wissensinseln, die nichts voneinander wissen.

Zusätzlich kommt ein weiteres Problem dazu: Kontext.

Man beginnt, Dateien hochzuladen. Dokumente, Notizen, Zusammenfassungen. Und jedes Mal stellt sich die Frage: Ist das noch die aktuelle Version? Habe ich etwas vergessen? Muss ich das alles wieder neu bereitstellen?

Mit ein paar Dateien funktioniert das noch. Mit vielen wird es unpraktisch.

Und selbst wenn man es schafft, gute Antworten zu erzeugen, bleibt ein grundlegendes Problem bestehen:

Die Erkenntnisse verschwinden im Chat.


Die eigentliche Idee

Die Idee dieses Konzepts ist einfach, aber radikal:

Statt Wissen immer wieder neu zu erzeugen, wird es dauerhaft aufgebaut.

Das LLM wird nicht nur genutzt, um Antworten zu generieren, sondern um ein System zu pflegen. Eine Wissensbasis, die mit jeder Interaktion wächst, sich verändert und verbessert.

Man kann es so formulieren:

Chats sind nur temporäre Denkprozesse.
Das PKM ist das Gedächtnis.

Oder noch klarer:

Mit jeder Frage wird das System reicher.

Das Ziel ist nicht, bessere Chats zu führen.

Das Ziel ist, ein System zu haben, das aus allen Interaktionen lernt.


Wie sich die Rollen verändern

In einem klassischen Setup schreibt der Mensch das Wissen. Er strukturiert, verlinkt, aktualisiert, pflegt.

In diesem System ist es genau andersherum.

Der Mensch ist nicht mehr derjenige, der das Wissen organisiert. Er ist derjenige, der denkt.

Er bringt Dinge ins System, stellt Fragen, lenkt die Aufmerksamkeit, entscheidet, was wichtig ist.

Das LLM übernimmt den Rest.

Es schreibt die Seiten. Es aktualisiert bestehende Inhalte. Es zieht Verbindungen. Es sorgt dafür, dass alles zusammenpasst.

Der Mensch denkt.
Das LLM pflegt.


Das System selbst

Das Ergebnis ist kein Chatverlauf, sondern eine Sammlung von Markdown-Dateien. Eine strukturierte, vernetzte Wissensbasis.

Du kannst sie dir wie ein persönliches Wiki vorstellen – aber im Kern ist es ein PKM: ein persönliches Wissenssystem, das mit dir wächst.

Obsidian ist dabei die Oberfläche, die „IDE“.
Das LLM ist der Entwickler.
Das Wissen ist die Codebasis.

Du sprichst mit dem System – und im Hintergrund wird die Wissensbasis verändert.

Du siehst die Ergebnisse direkt:

  • neue Seiten entstehen
  • bestehende Inhalte werden erweitert
  • Verlinkungen tauchen auf
  • Strukturen entwickeln sich

Mit der Zeit wächst daraus ein zusammenhängendes Bild.


Das Schema: Wie das LLM weiß, was es tun soll

Damit das funktioniert, braucht das LLM Orientierung.

Diese Orientierung kommt aus einer zentralen Datei, die beschreibt, wie das System funktioniert.

Typische Namen dafür sind:

  • CLAUDE.md (für Claude Code)
  • AGENTS.md (für Codex oder andere Agenten)

Diese Datei definiert:

  • wie das PKM aufgebaut ist
  • welche Konventionen gelten
  • wie Inhalte strukturiert werden
  • wie mit Eingängen, Fragen und Überprüfungen umgegangen wird

Sie enthält kein Wissen, sondern Regeln.

Sie ist das Betriebssystem deines PKM.

Und sie entwickelt sich mit der Zeit weiter.


Die drei grundlegenden Arbeitsweisen

Das gesamte System basiert auf drei wiederkehrenden Arten von Arbeit.

Man kann sie sich wie Grundoperationen des Systems vorstellen:

Aufnahme

Neue Informationen kommen ins System.

Das können sein:

  • Gedanken
  • Artikel
  • Notizen
  • Transkripte
  • Gespräche

Das LLM verarbeitet diesen Input, extrahiert die wichtigen Punkte und integriert sie in das bestehende Wissen.


Nutzung

Du stellst Fragen an das System.

Das LLM arbeitet dabei nicht isoliert, sondern nutzt das bestehende PKM:

  • es sucht relevante Einträge
  • liest sie
  • verbindet sie
  • und erzeugt daraus eine Antwort

Diese Antworten können unterschiedliche Formen haben:

  • eine neue Markdown-Seite
  • ein Vergleich
  • eine strukturierte Analyse
  • ein Foliensatz (z. B. mit Marp)
  • ein Diagramm
  • eine visuelle Darstellung

Wichtiger Punkt:

Gute Antworten werden Teil des Systems.


Überprüfung

Das System wird regelmäßig reflektiert und verbessert.

Das LLM sucht nach:

  • Widersprüchen
  • veralteten Inhalten
  • fehlenden Verbindungen
  • Wissenslücken

Es schlägt neue Fragen, neue Perspektiven und neue Eingänge vor.


Wie Wissen entsteht

Wenn neue Informationen ins System kommen, werden sie nicht einfach abgelegt.

Das LLM gleicht sie mit dem bestehenden Wissen ab und integriert sie.

Dabei passiert oft mehr als nur das Erstellen einer neuen Seite.

Bestehende Inhalte werden angepasst, erweitert oder korrigiert.

Ein einzelner Eingang kann problemlos zehn oder fünfzehn andere Einträge beeinflussen.

Für einen Menschen wäre das mühsam. Für ein LLM ist es trivial.


Kontrolle und Automatisierung

Das System kann auf unterschiedliche Weise genutzt werden.

Du kannst sehr kontrolliert arbeiten:

  • einzelne Eingänge prüfen
  • Entscheidungen bewusst treffen
  • Inhalte gezielt steuern

Oder du kannst das System stärker automatisieren:

  • viele Eingänge auf einmal verarbeiten lassen
  • weniger eingreifen
  • dem LLM mehr Verantwortung geben

Beides ist möglich.

Der richtige Workflow entsteht mit der Zeit – und wird Teil des Systems selbst.


Ordnung und Orientierung

Damit das Ganze funktioniert, braucht es Struktur – aber keine starre.

Ein bewährtes Denkmodell dafür ist PARA.

Es beschreibt weniger eine Ordnerstruktur als vielmehr einen Lebenszyklus von Wissen.

Es gibt:

  • einen Eingang für neue Informationen
  • Projekte mit einem klaren Ziel
  • Bereiche, die dauerhaft relevant sind
  • Ressourcen als Referenzwissen
  • ein Archiv für alles Abgeschlossene

Das LLM übernimmt die Einordnung und Bewegung innerhalb dieser Struktur.

Neben dieser strukturellen Ordnung gibt es zwei sehr einfache, aber entscheidende Dateien.

Die index.md ist ein Katalog des Systems.

Sie enthält alle Einträge mit kurzen Beschreibungen und dient als Einstiegspunkt.

Das LLM nutzt sie, um relevante Inhalte zu finden, bevor es tiefer einsteigt.

Für viele Systeme mittlerer Größe ersetzt das bereits eine komplexe Such- oder RAG-Infrastruktur.

Die log.md ist ein zeitliches Protokoll.

Einträge folgen einem klaren Muster, zum Beispiel:

[2026-04-19] Eingang | Titel

Dadurch entsteht eine nachvollziehbare Entwicklung des Systems.

Der Index zeigt, was existiert.
Das Log zeigt, wie es entstanden ist.


Praktische Werkzeuge und Setup

Das System selbst ist einfach.

Ein Ordner mit Markdown-Dateien.

Idealerweise ein Git-Repository.

Damit bekommst du automatisch:

  • Versionshistorie
  • Nachvollziehbarkeit
  • Branching
  • Zusammenarbeit

Obsidian dient als Oberfläche.

Hilfreiche Ergänzungen sind:

  • Web Clipper für schnellen Input
  • lokale Speicherung von Bildern
  • Graphenansicht zur Visualisierung
  • Dataview für strukturierte Abfragen
  • Marp für Präsentationen

All diese Dinge sind optional.


Warum das funktioniert

Der Engpass ist nicht Denken.

Es ist Pflege.

Das Aktualisieren von Verlinkungen.
Das Nachziehen von Änderungen.
Das Konsistenthalten von Aussagen über viele Seiten hinweg.

LLMs übernehmen genau diesen Teil.

Sie werden nicht müde.
Sie vergessen nichts.
Sie können viele Dateien gleichzeitig anpassen.

Die Pflegekosten gehen gegen Null.


Historischer Kontext

Die Idee ist verwandt mit dem Memex von Vannevar Bush.

Ein persönliches Wissenssystem mit vernetzten Inhalten.

Was fehlte, war die Pflege.

Das LLM übernimmt diese Rolle.


Universelle Anwendbarkeit

Dieses Konzept funktioniert überall dort, wo Wissen entsteht.

Der gemeinsame Nenner ist:

kontinuierlicher Input wird zu strukturiertem, vernetztem Wissen


Hinweis

Dieses Dokument ist bewusst abstrakt.

Es beschreibt das Muster.

Nicht die konkrete Umsetzung.

Der richtige Weg ist:

Dieses Dokument mit deinem LLM zu teilen und gemeinsam ein System zu entwickeln.

Dieses Dokument ist der Startpunkt.
Das System entsteht danach.

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